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Eine
rollende Zahnklinik für Madurai
Der
Mössinger Zahnarzt Michael Butzki engagiert sich bei der Organisation Zahnärzte
für Indien (Bericht aus dem Schwäbischen Tagblatt, 13.04.2004)


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Normalerweise
tut Michael Butzki das, was Zahnärzte eben so tun: Er wirft prüfende
Blicke in Münder, bohrt, macht Füllungen, richtet Zähne.
Doch
im vergangenden Jahr bretterte der Dußlinger, der in Mössingen
seit 13 Jahren
eine Praxis hat, 2000 abenteuerliche Kilometer über indische Pisten.
Das
Ziel von Butzki und seinem Ettlinger Kollegen Ulrich Eimer:
Die
wohl erste mobile Zahnklinik des Subkontinents ins südindische Madurai
zu bringen.
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"Ohne
eine laute Hupe kommt man auf indischen Straßen nicht weit",
sagt Michael Butzki.
Mal
bevölkerten kreischende Affenhorden die Straße, mal mussten
Ochsenkarren oder sogar
Tempelelefanten mit dem "Power Horn" von der Straße gescheucht
werden.
Anfang
des Jahres starteten Michael Butzki und Ulrich Eimer, Chef der Hilfsorganisation "Zahnärzte
für Indien", zu ihrem spannenden Hilfs-Tripp auf den Subkontinent.
2000
Kilometer sind es von Bombay nach Madurai, die beiden Zahnärzte aus
Deutschland reisten
mit 40 Kmh Durchschnittsgeschwindigkeit.
Stuhl,
Röntgengerät, Amalgam-Mischer, Sterilisation und Klimaanlage
– die auf einem indischen
Militärlaster montierte Praxis ist für indische Verhältnisse
bestens ausgestattet.
40.000
Euro, alles Spendengelder, kosteten Gefährt und Inventar.
"In
Deutschland wäre es fünfmal so teuer geworden", sagt Butzki.
Doch nicht nur deshalb entschied
sich die Hilfsorganisation für indische Produkte – für
künftige Reparaturen ist die
einfache Beschaffung von Ersatzteilen zentral.
Die
mobile Klinik soll vor allem in den entlegenen ländlichen Gebieten
Südindiens zum Einsatz
kommen.
Schon
als Zahntechniker und später als Zahnmedizin-Student reiste Michael
Butzki in die exotischsten
Gegenden des Globus, kam in Südostasien, Pakistan, China, Australien
und den
USA herum.
Seine
Liebe zu Indien entdeckte er 1986 während eines Praktikums. Drei
Monate arbeitete er
in der zahnmedizinischen Abteilung eines Bombayer Krankenhauses: "Dort
habe ich
Zähne
ziehen gelernt". Einige Jahre später, das Studium war gerade
abgeschlossen, lernte er
die 1983 gegründete Hilfsorganisation "Zahnärzte für
Indien" kennen.
Die
elf derzeit vom Verein betreuten Zahnstationen sind an die indischen Heime
der Duisburger
"Kindernothilfe" angegliedert.
Rund
100 Zahnärzte aus ganz Deutschland reisen regelmäßig nach
Indien und arbeiten dort
mehrere Wochen nur für Kost und Logis.
Im
zweitgrößten Land der Welt ist der Zahnarztbesuch für
viele Familien unerschwinglich.
"Wir
versorgen die Ärmsten der Armen", sagt Butzki.
Den
derzeitigen Wirtschaftsboom in Indien betrachtet er mit Skepsis: Die Slums
seien immer
noch riesig, auf dem Land passiere nicht viel. "Unten kommt von dem
neuen
Reichtum
fast nichts an". Ein großes Problem ist für Butzki auch
die mangelhafte Hygiene-Aufklärung,
zu beobachten etwa beim "Baby-bottle-syndrom".
Viele
Babys und Kleinkinder, erklärt der Dußlinger, bekämen
zur Beruhigung regelmäßig Kekse
oder Fläschchen mit süßem Tee in den Mund gesteckt. Das
Resultat:
Bei
der Hälfte der von Butzki untersuchten 4- bis 14-Jährigen waren
die Zähne "so richtig schlecht".
Weit
über 10.000 indische Kinder werden jedes Jahr von ehrenamtlichen
Dentisten aus Deutschland
behandelt – Reihenuntersuchungen machen's möglich.
Aufklärung,
Zahnprophylaxe, Bohren, Füllungen, und "wenn's nicht anders
geht" auch mal einen
Zahn ziehen, ist der Job von Butzki und Kollegen.
Eigentlich
gar nicht so viel anders als das tägliche Geschäft in Mössingen. Warum
er seinen Jahresurlaub dieser Arbeit opfert? Neben der Lust des Weltenbummlers, "in
fremde Kulturen einzutauchen, mit den Leuten anders und intensiver in
Kontakt zu
kommen",
ist es wohl nicht zuletzt "das Lächeln der Kinder", denen
Butzki helfen konnte.
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Homepage
der Hilfsorganisation Zahnärzte für Indien:
www.zahnaerzte-fuer-indien.de
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